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Zusatzstoff-Lexikon

Funktionale Additive

Milcheiweiß - -

Milch ist ein Rohstoff wie Erdöl, aus dem sich Kunststoffe, ja sogar Elfenbein- oder Perlmutt-Imitate herstellen lassen. Zunächst wird pasteurisierte Magermilch mit Salzsäure, Schwefelsäure oder Milchsäure versetzt, um die Caseine auszufällen, also jene Eiweiße, aus denen traditionell Käse oder Quark hergestellt wurden. Ein Zusatz von Natronlauge oder Calciumhydroxid macht das geronnene Casein wieder löslich.

Entfernt man anschließend das Calcium mittels Ionenaustauscher, so erhält man einen vorzüglichen Emulgator. In Mayonnaise und Eis sorgt er für einen cremigen Mix, in Wurst verhindern bestimmte Milchpräparate die Bildung eines unschönen Fettfilms. Ihre bindenden Eigenschaften erlauben es, den Wassergehalt von Formfleisch und Wurst zu erhöhen.

Je nach Weiterbehandlung gibt?s immer wieder andere funktionale Additive. Auf diesem Wege läßt sich unter Umgehung der traditionellen Käserei sogar "Käse" für Pizzaauflagen imitieren. Joghurt wird durch funktionale Milcheiweiße stichfest. Bei entsprechender Bearbeitung bilden Caseine und Molkeneiweiße ähnlich gute Schäume wie Eiklar ("Eischnee") und ersetzen in Desserts Hühnerei. In Surimi verbessern sie als Gelbildner die Textur, bei Snacks die Formbarkeit bei der Extrusion. Auf dem Etikett heißen diese Zusatzstoff-Imitate schlicht "Milchprodukt" oder auch "Milcheiweißerzeugnis".

Zusammengestellt von Udo Pollmer, Europäisches Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V.