Vortrag am 16. September 2010:
Kleine Mägen - großer Hunger Kinderernährung ohne Angst

 

 

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Zusatzstoff-Lexikon

Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe

Steviosid - -

Die Blätter der Steviapflanze sind ein traditionelles Süßungsmittel der Indianer Paraguays (für Matetee). Zugleich von der Volksmedizin zur Empfängnisverhütung verwendet. Der wichtigste süße Wirkstoff heißt Steviosid und ist 100 bis 300 mal süßer als Zucker. Die Blätter enthalten daneben noch zahlreiche weitere süß schmeckende Inhaltsstoffe. Verwendung von Steviablättern bzw. -extrakten als Zuckerersatz vor allem in Japan und Südamerika. In der EU besteht keine Zulassung.Der Hauptbestandteil Steviosid wird im Köper zum Steviol aufgespalten und vollständig resorbiert. Steviol unterliegt dem enterohepatischen Kreislauf, d.h. es wird nach der Ausscheidung über die Galle wieder vom Darm aufgenommen, was eine endgültige Ausscheidung behindert.

Im Tierversuch wurden Störungen der Nierenfunktion und Leberschäden beobachtet. Bei vielen Studien, die dem Produkt Unbedenklichkeit bescheinigen, ist nicht erkennbar, ob das, was im Tierversuch geprüft wurde, auch mit dem Verkaufsprodukt identisch ist.Die JECFA (Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives) hat im Jahr 2004 einen vorläufigen ADI von 2 mg pro kg Körpergewicht für Steviolglykoside (ausgedrückt als Steviol) der Pflanze Stevia rebaudiana Bertoni festgelegt. Unabhängig von der JECFA hat das Scientific Committee on Food (SCF) 1985 und dann nochmals in 1989 und 1999 Steviolglykoside beurteilt, aber wegen fehlender Daten zurückgewiesen. Die EFSA hat nun das Mandat zur Risikobewertung von Steviolglykosiden von der Europäischen Kommission erhalten. Diese Beurteilung wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Als Masthilfsmittel in der tierischen Produktion bereits zugelassen.

Bewertung: Zusatzstoffe, die dem enterohepatischen Kreislauf unterliegen, geben stets Anlaß zur Skepsis, insbesondere dann, wenn es sich um schwer definierbare Substanzgemische handelt.

Zusammengestellt von Udo Pollmer, Europäisches Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V.