Lexikon der Zusatzstoffe

 
Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe

E 960 Steviosid

Der bekannteste Wirkstoff in der Steviapflanze heißt Steviosid. Er ist 100 bis 300 mal süßer als Zucker. Die Blätter von Stevia rebaudiana enthalten noch Dutzende weitere süßlich schmeckende Substanzen. Da die Qualität des Süßgeschmacks jedoch stark zu wünschen übrig ließ, wurde die Pflanze per Gentechnik umgezüchtet, um ein sensorisch besseres Profil zu erzeugen.

Da dies für viele Verwendungszwecke aber immer noch nicht genügt, gelang es offenbar, im Rahmen der aufwendigen Extraktion durch eine geschickte Nachbehandlung daraus neue, d. h. künstliche Süßstoffe zu generieren, die so in der Pflanze gar nicht vorhanden waren. Durch die Möglichkeit einer Sprosskultur läßt sich der Metabolismus der Pflanze leichter steuern. Stevia-Zellkulturen werden mit Zucker gefüttert.

Nach Angaben von Experten haben „die heutigen angebotenen Steviolglykoside nicht mehr unbedingt viel mit der ursprünglichen Wild- und Kulturpflanze Stevia rebaudiana zu tun, wie sie noch Ende der 90er Jahre verbreitet war“. Viele der vorliegenden toxikologischen Studien sind wertlos, da sie sich auf Extrakte mit nicht näher definierten Inhaltsstoffen beziehen.

Dennoch wecken Studien am Menschen Skepsis: Bei einem Teil der Versuchspersonen sank der Blutdruck, einige Probanden klagten über Benommenheit, Schwäche und Übelkeit. Während viele Experten nicht müde werden, die Unbedenklichkeit zu betonen, prüfen sie eine Nutzung der Inhaltsstoffe von Stevia als Arzneimittel.

Aus einem Bericht über die Pflanze (Science 1968): "Die Indiovölker im Mato Grosso in Paraguay verwenden Stevia rebaudiana als orales Verhütungsmittel. Frauen trinken täglich einen Sud aus getrockneten, pulverisierten Blättern und Stängeln in Wasser." Das als Hinweis zur populären Story, die (offenbar verweichlichten) Ureinwohner und Gauchos hätten damit einst ihr Täßchen bitteren Matetee gesüßt.

Bei männlichen Tieren senkte Stevia den Testosterongehalt, bei heranwachsenden bremste es die Entwicklung der Hoden.

Ansonsten Verwendung zur Herstellung von Spezialbeton für Bohrlöcher in der Tiefsee, als Hautbräunungsmittel (durch Verzehr!) und Mastmittel für Geflügel.

Bewertung: Da Unklarheit besteht, was sich wunter dem Namen Stevia alles an Substanzen tummelt, ist eine Bewertung schwierig. Die ursprünglich in der Pflanze enthaltenen „Süßstoffe“ sind aufgrund ihres schlechten Geschmacks untauglich.

Ob die heute verfügbaren Pflanzen Unfruchtbarkeit fördern, ist unklar.